#Auszeit 8

Foto: Kirsten Marter-Dumsch
Gleich zwei Kurzgeschichten hat Regine Rademacher für #Auszeit zur Verfügung gestellt. 
In "Tücken der Literatur" zeigt es sich, dass selbst die Beschäftigung mit Literatur bisweilen Nachteile mit sich bring. "Schweinereien" widmet sich einer Art Teekesselchen, denn nicht immer meint man dasselbe, wenn man das Gleiche sagt. 



Tücken der Literatur 
oder 
Zitatensalat

Tagelang hatte es vom Himmel hoch geregnet, doch endlich  leuchtet die Sonne in die stille Kammerunter dem Dach. Hieronymus Schmidt legt sein Buch beiseite und erhebt sich aus dem Ohrensessel, den er seit drei Tagen kaum verlassen hat. Um ihn herum stapeln sich die dicken Folianten, mit denen er seine Zeit verbrachte. Schon als er noch der Waldbauernbub war, sagte seine Großmutter von ihm: „In seinem Kopf muss es aussehen wie Kraut und Rüben von all dem Gelesenen.“ 
            Er streckt sich und sagt laut: „Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben...“,wirft sich den Umhang um, setzt den Hut auf und ... mehr lesen


# Auszeit 7

Foto: Angelika Zöllner

In der siebten Auszeit reisen Angelika Zöllner und Erika Schneider an Orte, die für sie über einen besonderen Zauber verfügen. Dass bei Beiden das Meer eine Rolle spielt ist vermutlich kein Zufall, ist es doch für viele von uns eins der Sehnsuchtsmotive schlechthin. Ebenso wie die Farbe Blau, wie das Bild, dass Angelika aus Kreta schickt, eindrucksvoll belegt.



blaue Stunde (Angelika Zöllner)
letztes licht strahlt auf hafenmauern
den tag zurück
eine hülle aus blaufedern deckt uns
vor der finsternis

#Auszeit 6

Die sechste Auszeit kommt von Martina Sprenger, die eine ihrer Kurzgeschichten zur Verfügung gestellt hat.
Es ist keine gute Nachricht, die Stefan von seinem Bernhard, seinem Arzt und Freund erhält. Unterstützt von seiner Frau entscheidet Stefan, die verbleibende Zeit auf sehr ungewöhnliche Weise für sich zu nutzen. Viel Vergnügen beim lesen!

Ein Freundschaftsdienst


Siehst du diese Schatten, Stefan? Hier, hier und hier?“Bernhard tippte mit dem Zeigefinger auf das Röntgenbild. Ich starrte mit zusammengekniffenen Augen die Aufnahme meiner Lunge an, die auf einer Schiene an der Wand seines Behandlungszimmers befestigt war. Die Umrisse der beiden Lungenflügel verschwammen zu einem einzigen dunklen Fleck. „Das sind Lungenkarzinome.“ Bernhard nahm seine Lesebrille von der Nase und rieb sich die Augen. „Hochaggressiv. Inoperabel. Therapieresistent. Du hast nur noch wenige Monate zu leben. Drei, höchstens vier.“Ich versuchte zu lächeln ... mehr lesen

# Auszeit 5

In unserer fünften Auszeit wird es wieder lyrisch. Matthias Rürup hat ein Video geschickt, in dem er aus seinem im Geest-Verlag erschienene Gedichtband "Igel-Gesänge" liest.

Ausgewählt hat er drei Gedichte, die allesamt ganz gut in den März und damit in den Frühling passen.  Wie keine andere Jahreszeit steht er für Sehnsucht und Aufbruch, in der Natur sowie in Sachen der Liebe. Doch so sehr wir uns auch nach ihr sehnen, es ist nicht so leicht mit der Liebe. Immer wieder, so scheint es, stehen wir uns selbst im Weg und haben dabei oft erstaunlich viel Ähnlichkeit mit den stacheligen Vierbeinern. Mehr von Matthias gibt es auf seiner Webseite, hier beginnt nun der März.


März
Es ist noch kalt im Schatten
Die Erlösung noch halbiert.
Noch mancher sitzt und friert
Wo andre Sonne hatten.
... mehr lesen/sehen




#Auszeit 4

In unserer vierten Auszeit entführt Sibyl Quinkes Kurzgeschichte ins Nürnberg des ausgehenden Mittelalters. Natürlich - wie sonst bei Sibyl - kommt auch diese Geschichte nicht ohne ein Quentchen Medizin, bzw. Gift aus. Hermann Schedel, Arzt und Heiler, wird zu einem Freund gerufen, der seiner Hilfe bedarf. Folgt ihm durch die Nürnberger Gassen und findet heraus, welche Rolle die Magd Mariella spielt. Viel Vergnügen!



Laudanum
 Die Butzenscheiben erlaubten dem letzten Tageslicht auf seinen Schreibplatz zu fallen. Hermann Schedel hatte es noch genutzt. Und jetzt war der Brief an seinen Freund fertig. Er nahm die Büchse und streute Sand auf das Papier. Er klappte das vor ihm liegende, so sorgsam gehütete, Buch zu. Es enthielt seine Sammlung von Zubereitungen, die er mit sehr viel Fleiß über Jahre zusammen getragen hatte; ein Kleinod. Er hatte nicht nur Arzneien kopiert, die er in Nürnberg und seinem Umland zusammentragen konnte, sondern alles, was ihm fern der Heimat begegnete und ihm wichtig erschien. Sein Interesse galt schon von je her, Mitteln, die ... mehr lesen

#Auszeit 3

#Auszeit 3

Heute Abend hätte die Lyrikerin Sigune Schnabel bei unserem Gästespecial im Café ADA auftreten sollen. Da das ja nun leider ausfällt, hat sie sich bereit erklärt für #Auszeit ein Video aufzunehmen und zur Verfügung zu stellen. Ein Grund zur Freude, denn Sigunes Lyrik ist wirklich besonders.

Wie soll man sie am besten beschreiben? ... Schön, zart und gleichzeitig bildgewaltig, unglaublich poetisch? All das gibt nur unzureichend wieder, was man beim Lesen ihrer Gedichte empfindet. Ihre Art mit Sprache umzugehen, schafft Raum für eigene Assoziationen und Deutungen – trotz, oder gerade wegen ihrer akribisch ausgewählten Formulierungen. So entsteht ein Moment der Stille, des Innehaltens und des inneren Dialogs, eine ganz eigene Qualität. Kein Wunder, dass ihre Lyrik schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.  So u.a. beim Thuner Literaturfestival Literaare und Ulrich-Grasnick-Lyrikpreis 2017 sowie beim postpoetry-Wettbewerb 2018. 2017 war sie Finalistin beim Literarischen März in Darmstadt. 

Im Video liest Sigune aus ihren beiden Lyrikbänden UND spielt ein wenig Harfe für Euch. Schaut rein! 

Wer mehr über Sigune erfahren möchte, hier geht's lang 

#Auszeit 2

#Auszeit 2
Heute mit zwei gewohnt heiteren Werken aus der Feder von 
Reinhard Clement, unserem Spezialisten für gereimten Wortwitz. 

Für Euch wandert auf den Spuren Mörikes durch den Frühling und findet im Reich der Ornithologie erstaunlich Menschliches. 



Mein lieber Schwan

Marie ist eine dumme Gans!
Er ist ein Tölpel, dieser Hans.
Der Mensch hat lauter Eigenschaften
die von den Vögeln an ihm haften.